Verlustängste bei Kindern – was tun?

Verlustangst Kinder

Bild: © altanaka

Jeder Mensch, sowohl Kinder als auch Erwachsene, kennen Ängste. Evolutionär gesehen sind diese sogar etwas Gutes, denn sie schützen uns vor Gefahren und bewahren und davor unnötige Risiken einzugehen. Eine besondere und alles andere als nützliche Angst ist allerdings eine übermäßige Verlustangst, die als Folge von traumatisierende Verlusterfahrungen oder Vernachlässigung auftreten kann.

Ursachen von Verlustängsten bei Kindern

Erlebt ein Kind traumatische Erfahrungen, wie die Scheidung der Eltern, der Tod eines Elternteils oder Vernachlässigung durch ein oder beide Elternteile, kann es eine pathologische Verlustangst entwickeln, die mit verschiedenen, teils sehr belastenden Symptomen einhergeht und die mitunter bis in das Erwachsenenalter bleibt.

Kinder entdecken ab einem gewissen Alter, dass ihre Mutter oder andere Bezugspersonen ihre erste Anlaufstelle für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse, also Hunger, Durst, aber auch Nähe und Aufmerksamkeit sind. Wird diese Bedürfnisbefriedigung verwehrt, sei es, weil die Bezugsperson nicht anwesend ist oder aber keine Zuneigung geben kann aufgrund von Überforderung, Depression oder anderen Gründen, kann dies traumatisierend auf das Kind wirken und seine Verlustangst schüren. Das Kind fühlt sich automatisch abgelehnt und verliert das Vertrauen in enge Bezugspersonen. Dies kann schon im sehr frühen Babyalter durch fehlenden Blickkontakt ausgelöst werden.

Symptome von Verlustängsten bei Kindern

Kinder sind schon sehr früh mit vielen Formen der Angst konfrontiert – Angst vor Dunkelheit, Angst vor lauten Geräuschen oder Angst vor dem Alleinsein sind nur einige Beispiele. Auch die Verlustangst ist eine primäre Angst, die jeder Mensch kennt. Ist diese Angst jedoch zu stark ausgeprägt, bringt sie ungewollte Verhaltensweisen und belastende Symptome mit sich. Da Kinder ihre Ängste oft nicht genau benennen können, äußern sich diese manchmal durch Verhaltensweisen, die auch für die Eltern zunächst schwer einzuordnen sind. Sie kann sich zum Beispiel dadurch zeigen, dass das Kind sich nach Weggehen der Mutter kaum trösten lässt, auch wenn diese bereits zurück ist. Aber auch unkonzentriertes, abwesendes, gereiztes oder aggressives Verhalten des Kindes gegenüber seinen Bezugspersonen kann ein Zeichen für übermäßige Verlustangst sein.

Körperlich kann sich die Angst vor Verlust auch in Appetitlosigkeit, psychosomatische Beschwerden wie zum Beispiel Bauchschmerzen ohne körperliche Ursache, Stottern oder Bettnässen zeigen. Sollte ein Kind auffällige Verhaltensweisen zeigen ist es daher immer wichtig den Rat einer fachkundigen Person – zum Beispiel des Kinderarztes oder einer Psychologin – einzuholen, denn hinter diesem Verhalten können Verlustängste stecken. Je früher hier eingegriffen wird, desto weniger belastende Folgen hat diese Verlustangst im jetzigen und im späteren Leben des Kindes.

Folgen von Verlustängsten

Folgen der übermäßigen Verlustangst bei Kindern sind nicht nur der Leidensdruck, der sich in den Symptomen zeigt, sondern sie kann auch belastende Folgen im Erwachsenenalter haben. So haben Menschen mit übermäßiger Verlustangst häufig Schwierigkeiten Nähe zuzulassen und so Freundschaften und Beziehungen einzugehen. Auch ein übermäßiger Kontrollzwang, sich ausnutzen lassen bis hin zu einer Depression können Folgen von Verlustängsten im Erwachsenenalter sein. Es ist daher sinnvoll, das Kind früh bei der Bearbeitung seiner Verlustängste zu unterstützen.

Verlustängste vermeiden

Eltern und andere Bezugspersonen haben verschiedene Möglichkeiten, die Entstehung von Verlustängsten bei Kindern zu vermeiden. Hierfür ist es wichtig, die wichtigen Momente in der Entwicklung und im Verhalten des Kindes zu erkennen und darauf einzugehen. Natürlich passieren in der Erziehung immer wieder Fehler und es kann nicht alles richtig gemacht werden. Durch das Wissen um wichtige Momente und richtige Verhaltensweisen können schwerwiegende Fehler jedoch vermieden werden. Viele Eltern wissen oft bereits intuitiv was das Beste für ihr Kind ist und dass sie ihm Aufmerksamkeit schenken sollten. Überforderung, eine Vielzahl von Ratschlägen und wenig Erfahrungen führen jedoch immer wieder zu Verunsicherung.

Wichtig um Verlustängste zu vermeiden ist die Reaktion der Eltern oder Bezugspersonen auf die Trauer und Ängste eines Kindes. Diese sollten niemals heruntergespielt, ignoriert, bestraft oder gar ausgelacht, sondern immer ernst genommen werden. Das Kind sollte natürlich trotzdem langsam an neue Situationen gewöhnt werden mit dem Ziel die Ängste und Trauer zu vermindern, dies sollte jedoch mit vorausgestellter bedingungsloser Akzeptanz und dem ernst nehmen der Gefühle des Kindes geschehen, da Ängste und Trauer ansonsten nur verstärkt werden und mitunter in einer manifesten Verlustangst münden.

Außerdem wichtig ist die grundlegende Aufmerksamkeit und Nähe für das Kind. Eine der meisten Ursachen für Verlustängste sind Vernachlässigung oder Liebesentzug. Das Kind sollte vor allem im sehr jungen Alter wissen, dass es seinen Eltern vertrauen kann und diese immer für es da sind, damit es sich auf Grundlage einer sicheren Basis ausprobieren kann. Auch in Konflikten sollte daher nie die Person des Kindes selbst angegriffen oder mit Liebesentzug gedroht werden, sondern die Kritik sollte sachlich das Verhalten des Kindes bemängeln. Auch das Streiten und Aufzeigen von Grenzen ist wichtig, danach sollte jedoch immer die Möglichkeit zur Versöhnung gegeben sein.

Verlustängste lindern

Zeigt das Kind Verhaltensweisen, die auf Verlustängste hindeuten, ist es dennoch nicht zu spät diese zu lindern. Bei sehr starken Verlustängsten ist die Hilfe durch einen Psychotherapeuten für Kinder ratsam. Doch auch als Elternteil oder Bezugsperson kann man eingreifen, indem man das Vertrauen zum Kind neu aufbaut und ihm Aufmerksamkeit schenkt. Dies kann je nach Alter in Form von besonderer Gesprächs- oder Spielzeit, dem Schaffen eines gemütlichen und sicheren Zuhauses und auch mit der Unterstützung durch Außenstehende geschehen.

Um Verlustängste zu lindern ist also Beziehungsarbeit zwischen Kind und Bezugsperson notwendig, gleichzeitig sollte das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl des Kindes gestärkt beziehungsweise wieder aufgebaut werden. So können auch bereits vorhandene Verlustängste bereits bearbeitet werden.