Verlustängste im Job meistern

Verlustangst Job

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Verlustängste kennen die meisten im Zusammenhang mit Beziehungen, Freundschaften oder Familie. Viele haben Angst, ihnen nahe stehende Menschen zu verlieren. Manche sind dabei mehr von Verlustängsten betroffen als andere, sodass echter Leidensdruck und Belastungen im Alltag die Folge sind. Ein weniger bekannter, aber dennoch häufig auftretender und mitunter sehr belastender Bereich, in dem Verlustängste auftreten können, ist die Arbeit. Verlustängste am Arbeitsplatz sind keine Seltenheit und Gefühle unter denen Betroffene sehr leiden können, was tatsächlich zu einem Leistungsabfall – durch Überarbeitung oder Lähmung durch die Verlustangst –führen kann. Es gibt jedoch Wege, die Verlustängste im Job zu meistern.

Warum Verlustängste im Job?

Arbeit ist heutzutage für viele nicht einfach ein Weg Geld zu verdienen. Vielmehr ist es ein Bereich über den wir uns als Persönlichkeit definieren können, aus dem wir Selbstwert ziehen und der Sinn stiftet. Da ist es kein Wunder, dass Verlustängste im Job sehr belastend sind, denn durch einen Arbeitsplatzverlust entstehen nicht nur Existenzängste, sondern auch Gefühle der Wertlosigkeit. In unserer schnelllebigen und flexiblen Gesellschaft sind Jobverluste außerdem keine Seltenheit – ohnehin bestehende Verlustängste werden durch die Situation in der heutigen Arbeitswelt also noch weiterhin geschürt.

Ursachen für Verlustängste

Menschen, die unter starken Verlustängsten leiden, wurden häufig schon in der Kindheit von prägenden Verlust- oder Vernachlässigungserfahrungen traumatisiert. Die damals entstandenen Verlustängste können sich auch im Erwachsenenalter auf sämtliche Bereiche – wie Beziehungen und Arbeit – übertragen.

Im Bereich der Arbeit können aber auch ein früherer Jobverlust, finanzielle Probleme verbunden mit starken Existenzängsten und mangelnde soziale Unterstützung zu starken Verlustängsten führen. Auch ein starkes Konkurrenzdenken und das Gefühl austauschbar zu sein, ebenso wie die starke Definition und Stiftung von Identität über den Job sind Faktoren, die eine Verlustangst am Arbeitsplatz auslösen oder verstärken können.

Folgen der Verlustängste

Verlustängste sind sehr belastend für Betroffene und können sich bis zu einer Depression steigern. Mit Verlustängsten einhergehende Gefühle sind zum Beispiel Gefühle der Wertlosigkeit, innere Unruhe, Traurigkeit oder ständige Anspannung. Am Arbeitsplatz können sich Verlustängste auch im Verhalten manifestieren. Eine häufige Folge von Verlustängsten ist zum Beispiel Überarbeitung, die im Burnout enden kann. Betroffene lassen sich von der Angst ihren Job zu verlieren, wenn sie nicht gut genug sind, dazu verleiten zu viel zu arbeiten und sich ausnutzen zu lassen. Gepaart mit einem übermäßigen Konkurrenzdenken führt dies zu großer innerer Anspannung und Stress.

Auch neigen Verlustängstliche dazu sämtlichen Konflikten aus dem Weg zu gehen um nicht negativ aufzufallen. Dies kann zu viel unterdrücktem Ärger und unfairer Behandlung führen. Steigert sich die Verlustangst zu einer Depression ist ein starker Leistungsabfall die Folge. Beide Entwicklungen führen in der Tat auf Dauer zum befürchteten Arbeitsplatzverlust – die Verlustängste werden so bestätigt und bestärkt.

Verlustängste im Job überwinden

Wer bemerkt, dass er unter starken Verlustängsten im Job leidet – zum Beispiel durch ständige schlechte Stimmung, eine ständige Unruhe, Überarbeitung oder Unzufriedenheit durch unfaire Behandlung aus der man keinen Ausweg findet, ist kein verlorener Fall, denn es gibt Wege die Verlustängste zu meistern, sobald man sie erkannt hat.

Weniger Konkurrenzdenken

Ein erster Schritt wäre hier zum Beispiel das eigene Konkurrenzdenken abzulegen. Kollegen sollten nicht als Konkurrenten, sondern als Mitstreiter gesehen werden. Indem man zum Beispiel gemeinsame Aktivitäten plant oder einfach mal versucht, die Kollegen positiv zu bewerten – vielleicht sogar schriftlich – verliert man die Angst vor ihnen, hat weniger Schwierigkeiten auch einmal Konflikte zu besprechen und kann im Ernstfall außerdem auf soziale Unterstützung hoffen.

Selbstwertgefühl stärken

Bei starken Verlustängsten sollte generell am eigenen Selbstwertgefühl gearbeitet werden. Dabei kann zum Beispiel auch eine Psychotherapie helfen, wenn die Selbstwertproblematik stark ausgeprägt ist. Um das Selbstwertgefühl unabhängig von der Arbeit zu stärken ist es wichtig, andere Bereiche neben der Arbeit zu suchen über die man sich definiert und aus denen man neue Energie schöpfen kann. Interessen, Fähigkeiten und Hobbys sollten daher nicht weiterhin für die Arbeit vernachlässigt werden! Denn wer neben seinem Job Bereiche findet, aus denen er Selbstwert schöpfen kann, muss einen Arbeitsplatzverlust nicht genauso fürchten wie jemand, der sich allein über diesen Arbeitsplatz definiert. Dazu gehört auch, familiäre und freundschaftliche Kontakte aufzubauen und zu pflegen.

Alternativen bewusst machen

Verlustängste im Job können auch dadurch verstärkt werden, dass man blind für Alternativen ist. Indem man flexibel bleibt und sich Alternativen bei einem möglichen Jobverlust – auch rein fiktiv – bewusst macht, weiß, dass es auch bei einem möglichen Jobverlust weiter gehen oder vielleicht sogar besser werden kann. Diese Alternativen kann man sich auch durch Tagträume bewusst machen, indem man sich einfach mal vorstellt wie es wäre noch einmal von vorne anzufangen, einen anderen Job auszuführen, in eine andere Stadt zu ziehen, etc.

Kompetenzen stärken

Wer sich stets weiter bildet und sich seiner eigenen Kompetenzen bewusst ist, weiß was er wert ist und kann für sich einstehen! Durch Selbstwertaufbau, Fortbildungen und eine realistische Selbstbewertung merkt man schnell, dass ein Jobverlust nicht wahrscheinlich oder gerechtfertigt wäre und schützt sich so außerdem vor unfairer Behandlung und Ausbeutung.

Macht man sich diese Aspekte bewusst, lassen sich Verlustängste im Job besser meistern, was zu einer größeren Lebensqualität führt und somit nicht nur positive Effekte auf das Arbeitsleben, sondern auch die eigene Identität und das eigene Selbstwertgefühl hat.