Verlustangst in Beziehungen überwinden

Verlustangst Beziehung

Bild: © Antonioguillem

Verlustangst ist ein Gefühl, das eigentlich jedem bekannt ist. Vor allem in Bezug auf Partnerschaft ist die Verlustangst weit verbreitet. Schließlich kennt jeder die Angst davor, vom Partner verlassen zu werden oder ihn zu verlieren. Diese Angst ist menschlich und kann zum einen als Frühwarnsystem dienen, damit wir keine Risiken eingehen, andererseits ist sie auch ein Zeichen dafür, dass uns jemand viel bedeutet.

So normal Verlustangst sein kann, kann sie sich jedoch auch als krankhafte Verlustangst zeigen, die besonders stark ausgeprägt ist und auch dann auftritt, wenn objektiv kein wirklicher Grund dafür besteht. Menschen mit dieser ausgeprägten Verlustangst haben diese oft schon seit der Kindheit und können in Beziehungen sehr darunter leiden – häufig sogar so sehr, dass der Aufbau einer intimen Beziehung gar nicht möglich ist. Es gibt jedoch Möglichkeiten diese Verlustangst Schritt für Schritt zu lindern oder gar zu überwinden.

Was ist Verlustangst?

Die übermäßige Verlustangst in Beziehungen unter der manche Menschen leiden, zeigt sich in der permanenten Angst den Partner zu verlieren, auch wenn kein konkreter Anlass dazu besteht. Die Angst ist das beherrschende Gefühl für den Betroffenen in der Partnerschaft, schon kleine Anzeichen werden von dieser Angst eingenommen gedeutet, sie kann aber auch als ständige diffuse Angst wirksam sein. Vielen fällt so gar nicht auf, dass ihr „schlechtes Gefühl“ in der Beziehung und das Gefühl, sich nicht fallen lassen zu können, die eigene Verlustangst ist. Diese entsteht häufig aufgrund traumatisierender Erlebnisse mit den ersten Bezugspersonen und kommt in neuen Beziehungen wieder zum Vorschein.

Symptome der Verlustangst

Verlustängste in der Partnerschaft können sich unterschiedlich äußern. Es kann ein diffuses Gefühl sein, in ständiger Alarmbereitschaft zu sein, sich nicht fallen lassen zu können, sich trotz Beziehung einsam zu fühlen. Aber auch konkretes Misstrauen gegenüber dem Partner, Eifersucht und ein übermäßiger Kontrollzwang sind Zeichen von Verlustangst. Diese kann sich somit auch in übertriebenem „Klammern“ am Partner äußern, womit häufig das befürchtete Resultat – der Verlust des Partners – tatsächlich eintritt und den Betroffenen so im Sinne einer selbst erfüllenden Prophezeiung in seiner Verlustangst weiter bestätigt.

Auch geht die Verlustangst oft mit Bindungsangst einher. Aufgrund der zu großen Verlustangst können Betroffene keine wirkliche Nähe zulassen und halten ihren Partner sozusagen vorsorglich auf Abstand. Im schlimmsten Fall kann Verlustangst sogar zu einer Depression führen. Ganz gleich wie sie sich äußert, ist starke Verlustangst in Beziehungen belastend – sowohl für den Betroffenen als auch für seinen Partner.

Ursachen für Verlustangst

Verlustangst wird häufig schon in der frühen Kindheit geprägt. Wenn ein Kind von seinen ersten Bezugspersonen – also meistens die Eltern – vernachlässigt oder verlassen wird, erfährt es Zurückweisung von denjenigen Menschen, von denen es instinktiv bedingungslose Liebe und die Befriedigung seiner Bedürfnisse erwartet. Diese Erfahrung kann traumatisch sein und sich in einer Verlustangst manifestieren, die sich schließlich in späteren Beziehungen zeigt. Betroffene haben erfahren, dass sie sich auf nahe Bezugspersonen nicht verlassen können, fühlen sich vielleicht zurück gewiesen und wertlos und übertragen dies auf jede weitere Person, die ihnen in ihrem Leben nahe kommt.

Im Unterschied zu normalen Verlustängsten, die von dem Wissen rührt, dass Verlust zum Leben dazu gehört, halten Betroffene diesen Verlust für sicher und beziehen ihn zusätzlich noch auf die eigene Person – ein Teufelskreis, der jedoch mit der richtigen Herangehensweise unterbrochen werden kann.

Verlustängste überwinden

Es ist möglich Verlustängste zu überwinden. Wichtig hierfür sind der Wille und die Geduld, diesen Weg auf sich zu nehmen. Häufig ist auch eine Psychotherapie notwendig um tief sitzende Verlustängste zu überwinden.

Um eigene Verlustängste zu bekämpfen, sollte man sich zunächst selbst besser kennen lernen und herausfinden, wann und wie sich die eigenen Verlustängste äußern und was die Ursachen hierfür sein können. Dies kann mit Hilfe einer tiefenpsychologischen Therapie geschehen, jedoch können Betroffene auch selbst einen genauen Blick auf ihre Gefühle, ihr Verhalten und ihre Vergangenheit werfen – auch Freunde und der Partner können dabei vielleicht behilflich sein. Wenn wir wissen, wann wir Verlustängste zeigen und woher sie kommen, fällt es schon leichter an ihnen zu arbeiten.

Selbstwertgefühl stärken

Ein wichtiger Schritt um Verlustängste zu überwinden ist das eigene Selbstwertgefühl zu stärken. Auch hierbei kann eine Psychotherapie helfen. Aber auch konkrete Verhaltenstipps können ein Anfang sein. Anfangen kann man hier mit den Gedanken. Betroffene werden sich bei genauer Selbstbeobachtung dabei ertappen, wie sie negative Verhaltensweisen des Partners und situationsabhängige Konflikte schnell persönlich nehmen und auf ihre eigene Wertlosigkeit beziehen – hier ist es wichtig umzudenken. Dies kann zum Beispiel schriftlich geschehen, in dem man die Situation, die damit zusammenhängenden negativen Gefühle und Gedanken, die man hatte festhält und dann aufschreibt, welche Gedanken jemand mit einem besseren Selbstwertgefühl sich in der gleichen Situation gemacht hätte oder welche Gründe noch für das Verhalten des Partners verantwortlich sein könnten. Mit der Zeit wird es immer besser gelingen die positiven Gedanken für sich zu übernehmen.

Kommunikation

Hat man die eigene Verlustangst erkannt ist es wichtig auch mit dem Partner darüber offen zu sprechen. Nur so kann er Rücksicht nehmen und Verständnis zeigen. Viele Situationen, die durch Eifersucht oder Kontrollzwang des Betroffenen oder Unachtsamkeit des Partners belastet werden, können so mitunter gelöst werden.

Blick auf das Positive

Menschen mit starker Verlustangst neigen dazu ihren Blick nur auf das Negative und die Verlustangst bestätigende Aspekte der Beziehung zu lenken. Dies kann man versuchen bewusst zu vermeiden und den Blick wieder mehr auf positive Aspekte zu lenken – indem man sich bewusst Komplimente macht, am Ende des Tages schöne Momente rekapituliert oder aufschreibt und wohltuende Alltagsrituale pflegt wie gemeinsam spazieren zu gehen, zu kochen oder immer ein kurzes Gespräch vor dem ins Bett gehen zu führen.

Verlustängste zu überwinden ist ein Weg, der viel Geduld erfordert, mit diesen Tipps kann jedoch ein erster Schritt gemacht werden um eine erfülltere, sicherere Beziehung zu führen, die nicht durch Ängste belastet wird.